Fotografischer Impressionismus – Ein Experiment

In der Frühzeit der Fotografie hatte es das Fach schwer als eigenständige Kunstform anerkannt zu werden. Vielen Zeitgenossen glaubten, dass ein Bild, das scheinbar nur mit einem Druck auf den Auslöser entsteht, doch keine Kunst sein könnte. Hinzu kam, dass in der kommerziellen Fotografie sowie bei den Hobbyfotografen sehr viele Bilder entstanden, die nicht im Ansatz einem künstlerischen Anspruch genügten.

Trotzdem arbeiteten Fotografen immer wieder daran, ihre Leidenschaft zur Kunst zu erheben. Ein legitimes Mittel war und ist es dabei, Stilmittel anderer Kunstformen in die Fotografie zu übertragen. So war es schon Ende des 19. Jahrhunderts bei der fotografischen Kunstbewegung der Piktorialisten üblich sich von der Malerei des Impressionismus inspirieren zu lassen. Was eine genauso spannende wie fruchtbare Vereinigung ist.

Red Car

Red Car

Oftmals wird die Fotografie als „Malen mit Licht“ charakterisiert. Der Impressionismus definiert sich ähnlich. Nämlich dadurch, dass das Licht und die atmosphärischen Bedingungen die malerische Hauptaufgabe sind, während die Farbe eher als Träger des Lichts angesehen wird. Es sollten möglichst realistisch optische Impressionen dargestellt werden, ohne dieses durch Detailtreue oder zeichnerische Finesse zu erreichen. Stattdessen galt es durch die richtige Relation von Farbe und Licht, die Stimmung festzuhalten.

In der Fotografie ist es ein Leichtes ein detailgetreues scharfes Bild zu erstellen. Dank Autofokus muss man das heutzutage nicht einmal mehr üben. Will man nun ein impressionistisches Foto erstellen, so liegt es nahe den Weg zu gehen den viele Piktorialisten gewählt haben und bewusst Unschärfe als Stilmittel einzusetzen.

Da ich nun seit früher Jugend ein Fan von Claude Monet, dem Begründer des Impressionismus, bin, konnte ich nicht wiederstehen, mich selbst mal fotografisch in diesem Stil zu versuchen. Ein Experiment, dass mich auf eine Weise bereichert hat, wie ich es nie gedacht hätte. Ich bin mit meiner Kamera durch meine Heimatstadt Bielefeld gezogen, habe sämtliche Fotos bewusst unscharf aufgenommen und dabei mein Bestes gegeben wirkliche Bilder zu erschaffen.

Ich finde es ist mir durchaus gelungen, auf einige Bilder bin ich sogar regelrecht stolz, doch das ist nicht das Wichtigste. Dieses Experiment zwang mich meine Umgebung noch einmal anders wahrzunehmen, Licht und Atmosphäre anders zu interpretieren und meine Kamera als Handwerkszeug ganz neu zu verstehen. Schon lange hatte ich als Berufsfotograf nicht mehr so viel Freude an der Fotografie, wie an diesem Tag. Ein Paar der Ergebnisse könnt ihr hier betrachten.

By | 2017-04-29T22:13:34+00:00 Februar 25th, 2016|Bielefeld, Fotografie, Impressionismus, Kunst|Kommentare deaktiviert für Fotografischer Impressionismus – Ein Experiment

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